Bayer HealthCare ist Mitglied der European Alliance for Access to Safe Medicines (EAASM)
Startschuss für EAASM am 20. November in Brüssel
Die „Europäische Allianz für den Zugang zu sicheren Medikamenten“, kurz EAASM, wurde am 20. November bei einer Abendveranstaltung im Europäischen Parlament auf Einladung des MEP Bill Newton Dunn aus der Taufe gehoben. EAASM ist eine gemeinnützige, parteiübergreifende Koalition aus Patientenorganisationen, Angehörigen der Heilberufe, Wissenschaftlern, nichtstaatlichen Organisationen, der pharmazeutischen Industrie und Politikern. Ihr Anliegen ist das Recht der europäischen Patienten auf Zugang zu sicheren Arzneimitteln. Die Allianz will das Bewusstsein für die Risiken gefälschter und minderwertiger Arzneimittel für die Patientensicherheit steigern, die Mängel der gegenwärtigen Gesetzgebung und ihrer Umsetzung deutlich machen und für sich für einen besseren Patientenschutz in Europa einsetzen. Bayer HealthCare ist eines der Gründungsmitglieder aus der europäischen pharmazeutischen Industrie.
Harper Report über den Parallelhandel mit pharmazeutischen Produkten
Kernpunkt der Veranstaltung war ein ausführliches Gutachten über den Parallelhandel mit pharmazeutischen Produkten (PPT für engl. pharmaceutical parallel trade) in Europa. Untersucht wurden insbesondere die Auswirkungen des europäischen Arzneimittelhandels auf die Patientensicherheit. Der Autor, Dr. Jonathan Harper, ist einer der führenden Experten zum Thema „Arzneimittelfälschungen“ sowie auf dem Gebiet des europäischen Pharmadistributionssystems.
20 Empfehlungen zum Schutz des Patienten
Nach Durchführung seiner Untersuchungen und Auswertung der Fakten formulierte Dr. Harper 20 gezielte Empfehlungen zum Schutz der Patienten in Europa. Zwölf dieser Empfehlungen beziehen sich auf den Parallelhandel mit pharmazeutischen Produkten. Dr. Harper beschreibt das Ausmaß der in seiner Untersuchung aufgezeigten Probleme mit den Worten: „Parallelhandel mit pharmazeutischen Produkten kompliziert die europäische Lieferkette auf vielfache Weise.”
Konzentration auf die Lieferkette zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen
„Ausgehend von der zunehmenden Besorgnis über die Sicherheit der pharmazeutischen Lieferkette und insbesondere der Bedrohung durch gefälschte, verfallene und umgeleitete Medikamente, gibt es gute Gründe, die gesamte Funktionsweise des europäischen PPT zu überprüfen“, fügt Harper hinzu. Dazu bemerkt Jim Thomson, Vorsitzender der EAASM: „Dr. Harpers Bericht ist mit Blick auf die Patientensicherheit geschrieben worden und gibt eine Reihe von Empfehlungen, wie die Versorgung mit Arzneimitteln besser abgesichert werden kann. Ohne Zweifel sind einige dieser Empfehlungen der Schlüssel zu mehr Patientensicherheit und sollten von den Gesetzgebern in Europa dringend beachtet werden.“
Dr. Claus Moritz Trube, Leiter der Abteilung zur globalen Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen, ist der Repräsentant von Bayer HealthCare in der Allianz.
Interview:
Warum ist Bayer HealthCare dieser Allianz beigetreten?
EAASM ist eine einzigartige Institution in Europa, mit deren Hilfe eine gemeinsame Botschaft aller relevanten Parteien, die sich für einen besseren Patientenschutz einsetzen, verbreitet werden kann. Arzneimittelfälschungen sind nicht mit anderen Arten von Markenrechtsverletzungen vergleichbar. Den Patienten ist in der Regel nicht bekannt, dass sie eine Fälschung erhalten bzw. in vielen Fällen sogar dafür bezahlt haben. Noch beunruhigender ist zudem, dass ihnen auch die Gefährdung ihrer Gesundheit nicht bewusst ist. Die Patienten sind das letzte Glied in der illegalen Lieferkette für gefälschte und minderwertige Medikamente, aber sie sind die ersten, deren Gesundheit – und in einigen Fällen sogar Leben - gefährdet ist.
Warum macht die Pharmabranche sich so große Sorgen um dieses Problem?
Das Problem wächst stetig. Beispielsweise wurden im Jahr 2006 mehr als 2,7 Mio. gefälschte Medikamente an den Grenzen der EU beschlagnahmt. Das ist ein Anstieg von 384 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005. Die Fälscher verstecken sich hinter den Namen der Originalhersteller und missbrauchen den Ruf echter Arzneimittel. Sie missachten jegliche Verantwortung und übernehmen keinerlei Haftung für die Qualität der Produkte, die sie herstellen oder verkaufen. Sämtliche gesetzlichen Qualitätsvorschriften sowie jegliche Überwachung durch Arzneimittelbehörden gehen gänzlich an ihnen vorbei. Dies schadet dem Ruf der echten Arzneimittel, senkt das Vertrauen der Patienten auch in diejenigen, die sich ernsthaft um ihre Gesundheit kümmern, und kann sogar zu ungerechtfertigten Nebenwirkungsmeldungen und damit zu falschen medizinischen Informationen bezüglich des echten Arzneimittels führen. Alle Parteien, die ernsthaft besorgt über die Bedrohung durch Arzneimittelfälschungen sind, sei es die Industrie, Patientenorganisationen, Behörden, etc., müssen zusammenarbeiten, um gemeinsam dieser Gefahr entgegenzutreten und die Stimme der Patienten zu stärken.
Aber viele Patienten in Europa kaufen ganz bewusst gefälschte Medikamente im Internet. Es scheint also ein Bedarf für diese Produkte zu bestehen.
Arzneimittelfälschungen werden auf verschiedenen Wegen in Europa vertrieben; einer davon ist das Internet. Aber die meisten Patienten sind sich nicht über die Gefahren und die tatsächliche Qualität der Präparate, die sie erhalten, im Klaren. Wir müssen mehr Bewusstsein schaffen und den Informationsstand erhöhen. Für Patienten ist es allerdings schwierig, wenn nicht gar unmöglich, zu beurteilen, ob eine Internet-Apotheke sicher ist oder nicht. Einige Patienten suchen auch nach Diensten, die eine legale Apotheke schlicht nicht bieten kann - wie etwa die Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten ohne entsprechendes Rezept. Die Patienten müssen darüber informiert werden, dass gefälschte Arzneimittel eine echte Gefahr für ihre Gesundheit darstellen und dass illegale Quellen somit keinerlei Vorteile – welcher Art auch immer - bieten.
Welche anderen Institutionen gibt es noch außer der EAASM?
Es gibt mehrere globale, regionale und nationale Organisationen und Institutionen, die sich mit den Gefahren durch Produktfälschungen beschäftigen. Im Bereich Arzneimittelfälschungen sind insbesondere zwei globale Verbände zu nennen: die International Medical Products Anti-Counterfeiting Taskforce (IMPACT), die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen wurde und das Pharmaceutical Security Institute (PSI). Bayer HealthCare ist PSI-Mitglied und unterstützt die Arbeit von IMPACT.

